Bo Moench
Ein Preis
Ein Drittel
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Auszug Redemanuskript anlässlich der "Land der Ideen"-Preisverleihung am 13.3.2011 im Schloss Ritzebüttel, Cuxhaven
 

 

Von Autos, Musikschulen und der Zukunft der Arbeit      

Wäre in Cuxhaven ein neues Auto erfunden worden, so käme dieses mit einem Liter Benzin auf 100 km aus. Aus dem Auspuff käme kein klimaschädliches CO2, sondern Trinkwasser. Die Medien würden sich auf das Thema stürzen: „ein Liter auf 100 km! Wasser statt CO 2!“

In Cuxhaven wurde stattdessen eine neue Organisationsform für eine öffentliche Musikschule gefunden. Aus der Not städtischer Zuschusskürzung geboren, kommt sie in etwa mit einem Drittel früheren Geldes aus. Trotzdem ermöglicht sie hunderten von Schülern die Teilnahme an kostenlosen Projekten der Musikschule an KiTas, Schulen, der Lebenshilfe und Jugendeinrichtungen - so findet musische Bildung für alle statt.

Die Hälfte unserer Schülerschaft stammt inzwischen aus diesen sozialen Musikprojekten. Und da diese aus öffentlichen Mitteln finanziert sind, hat in Cuxhaven gerade kein Rückzug des Staates stattgefunden, ganz im Gegenteil: die Rolle des Staates in der Bereitstellung von Bildungs-Infrastruktur für seine Bürger wurde so erheblich gestärkt. Schließlich beruht die neue Form nicht nur auf der unternehmerischen Eigeninitiative der Lehrer, sondern sie bedarf auch einer regelmäßigen Kontrolle durch städtische Angestellte und den Vereinsbeirat.

Und die andere Hälfte der Schülerschaft? Wird die traditionelle Kundschaft durch die neue Form schlechter gestellt? Leidet der „klassische“ Einzel- und Partnerunterricht? Nein, das enge Vertrauensverhältnis zwischen Instrumentallehrer, Schüler und Eltern wird sogar gestärkt, da Eltern und Lehrer nicht nur den Unterrichtsvertrag, sondern jede unterrichtsbezogene Kommunikation direkt, d. h. ohne Umwege, miteinander teilen.

2006 ging in Cuxhaven Deutschlands erste von Freiberuflern geführte öffentliche Musikschule an den Start. Aber was ist ein Freiberufler überhaupt? Juristisch ist dieser im „Partnerschaftsgesellschaftsgesetz“ definiert: 

„Die Freien Berufe haben … auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Schöpferisch, persönlich und eigenverantwortlich – sollte nicht die Zukunft aller Arbeit so aussehen? Wörtlich übersetzt ist das Automobil ein Selbst-Beweger. Nehmen wir die neuen Modelle beruflicher Beweglichkeit zur Kenntnis. Probieren wir sie aus. Fahren wir los!

 

 Urkundenübergabe durch den Niedersächschischen Ministerpräsidenten David McAllister am 1.4.2011 in Hannover